Körperliche Folgeschäden
Die möglichen körperlichen Folgen der pränatalen Alkoholexposition (PAE) sind vielfältig und je nach Entwicklungsphase in der Schwangerschaft sehr unterschiedlich. Sie manifestieren sich vor allem durch Wachstumsverzögerungen, spezifische Gesichtszüge und Fehlbildungen innerer Organe. Die Ausprägung variiert jedoch stark je nach Zeitpunkt und Menge des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft.
Charakteristische Gesichtsmerkmale
Diese Merkmale sind beim Fetalen Alkoholsyndroms (FAS) am deutlichsten ausgeprägt und können bei anderen Betroffenen ggf. kaum zu bemerken sein:
- Philtrum: Die vertikale Rinne zwischen Nase und Oberlippe ist flach oder gar nicht vorhanden
- Oberlippe: Das Lippenrot ist oft schmal und dünn
- Augen: Die Lidspalten sind verkürzt
- Weitere mögliche Gesichtsmerkmale: Ein flacher Nasenrücken, eine Hautfalte am inneren Augenwinkel (Epikanthus) oder tiefer sitzende Ohren
Wachstums- und Entwicklungsstörungen
Betroffene Kinder können oft unter persistierenden Defiziten in der körperlichen Entwicklung leiden:
- Geringes Geburtsgewicht: Kinder kommen oft zu leicht/zu klein zur Welt
- Körperwachstum: Auch nach der Geburt kann das Längenwachstum oft hinter dem Durchschnitt zurück bleiben
- Mikrozephalie: Der Kopfumfang und das Gehirn können im Verhältnis zum Alter oft zu klein sein
- Muskulatur: Oft können sich eine mangelhafte Muskelentwicklung oder eine schlechte körperliche Koordination und Belastbarkeit zeigen
Organschäden und Fehlbildungen
Durch direkte toxische Wirkung von Alkohol und Mitosehemmung (Beeinträchtigte Zellteilung) können verschiedene Organsysteme während ihrer Entwicklungsphasen geschädigt werden:
- Herzfehler: Das Auftreten von angeborenen Herzfehlern oder Herzgeräuschen ist möglich
- Nierenschädigungen: Fehlbildungen oder Funktionseinschränkungen der Nieren sind möglich
- Skelettsystem: Fehlbildungen an Knochen, Gelenken (z. B. eingeschränkte Beweglichkeit) und Fingern
Zentralnervensystem (ZNS)
- Strukturelle Hirnschädigungen führen oft zu neurologischen und auch kognitiven Problemen, können aber auch mit Krampfanfällen oder Sinnesbeeinträchtigungen (Sehen/Hören) einhergehen.
- Wichtig ist zu berücksichtigen, dass körperliche Folgeschäden bei den meisten Menschen mit FASD eher diskreter ausgeprägt sind. Lediglich die Kinder mit dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) zeigen die obengenannten sichtbaren Charakteristika, die wiederum eine Frühdiagnose erleichtern können.
Das Erkennen einiger körperlicher Besonderheiten wird mit zunehmendem Alter deutlich schwieriger. So sind zum Beispiel Gesichtsdysmorphien bei nicht rechtzeitig stattgefundener Diagnose im Erwachsenenalter oft nicht mehr so prominent und erschweren späte Diagnosemöglichkeiten.
