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Diagnostik

  • Die FASD-Diagnose sollte von spezialisierten Teams (Pädiatrie, Sozialpädiatrische Zentren, Humangenetik, etc.) gestellt werden. 
  • Eine möglichst frühe und korrekte Diagnostik ist für die Betroffenen entscheidend und kann konstruktiv zur Frühförderung genutzt werden.
  • Faktisch jedoch ist FASD oft unterdiagnostiziert und das Nachholen der Diagnostik wird mit zunehmendem Alter deutlich schwieriger.
  • Folgend wird die Diagnose von FASD angelehnt an S3-Leitlinien (höchste Stufe evidenzbasierter medizinischer Leitlinien in Deutschland, basiert auf systematischer Evidenzrecherche, Bewertung und strukturiertem Konsens) kurz vorgestellt: 
  • Die Diagnostik von FASD nach den S3-Leitlinien aus Deutschland basiert auf vier Säulen, wobei nicht alle Merkmale für alle Ausprägungen vorliegen müssen
    1. Wachstumsauffälligkeiten 
    2. Typische faziale Merkmale (Gesicht)
    3. ZNS-Schäden: Funktionsstörungen des Zentralnervensystems, wie z. B. Mikrozephalie (kleiner Kopfumfang), globale Entwicklungsverzögerungen, geistige Behinderung oder spezifische neuropsychologische Defizite (z. B. bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Exekutivfunktionen).
    4. Nachweis von und Info über Alkoholkonsum in der Schwangerschaft

FASD im Erwachsenenalter

  • Zu konkreten diagnostischen Möglichkeiten und möglichen Anlaufstellen zur Durchführung der Diagnostik von FASD im Erwachsenenalter (ab 18 Jahren) in der Schweiz, sind kaum Informationen vorhanden. 
  • Dies ist auch in Deutschland noch Gegenstand der Forschung (etablierte S3-Leitlinien gelten bisher nur für Kinder und Jugendliche ) und wird in einigen Spezialzentren (u.a. LVR-Klinik Essen) mit einer Spezial-Sprechstunde „FASD bei Erwachsenen“ angeboten.
  • Hinzugezogen werden dabei u.a.: 
    • Arztbriefe oder Berichte aus früheren psychiatrischen, psychologischen oder neuropsychologischen Diagnosen und Vorbehandlungen 
    • Wenn möglich Informationen zum Geburtsgewicht, Geburtsgrösse und Kopfumfang bei Geburt sowie Informationen zur aktuellen Grösse und aktuellem Gewicht
    • Wenn möglich Informationen zur schulischen Entwicklung (Zeugnisse? Häufiger Schulabbrüche und Schulwechsel? Sonderpädagogik? Verhaltensauffälligkeiten in der Schulzeit?)
    • Fotos aus dem Säuglings- und Kleinkindalter und aktuelles biometrisches Foto 
    • Bestmögliche Erweiterung der Anamnese durch fremdanamnestischen Daten (Alkokolkonsum der Mutter in der Schwangerschaft? Ggf. Suchterkrankung der Mutter?)
    • Aktuelle ausführliche neuropsychologische Diagnostik inkl. Überprüfung der Exekutivfunktionen.